TuS Schutterwald - Die roten Teufel der Ortenau

hinten von links: Fabian Schindler, Fabian Huck, Valentino Kopf, Andreas Huck, Manuel Cybulski, Felix Junker, Betreuer Sven Heuberger
Vorne von links: Trainer David Salameh, Daniel Stöcklin, Andreas Bachmann, David Bindner, Felix Heuberger, Marco Erb, Michael Herzog, David Körkel, Physiotherapeutin Jessica Fischer
Es fehlen: Manager Jonas Karcher, Fabian Kessler, Betreuer Wolfgang Goss
Michael Herzog - Torschützenkönig Südbadenliga Saison 2009/10
Mit links auf den Torjäger-Thron
Michael Herzog (Schutterwald) war mit 232 Treffern
der
erfolgreichste Handballer der Südbadenliga
Von Michaela Quarti
Die Hände nach oben, ein freches Grinsen im Gesicht, so
bejubelte der Schutterwälder Michael Herzog am Samstag seinen
letzten Saisontreffer kurz vor Spielende. Es war sein sechstes
Tor in der Partie beim HGW Hofweier, es war das Siegtor des TuS
zum 33:32 und es war sein insgesamt 232. Saisontreffer. Der
Linkshänder aus Schutterwald war da mit der Top-Torjäger der
eben beendeten Saison in der Handball-Südbadenliga. Der Jubel
in Hofweier fiel für Michael Herzog, der erst vor
wenigen Tagen 20 Jahre alt geworden ist, schon aus einem
anderen Grund etwas anders aus. »In Hofweier zu spielen
und zu siegen, ist schon was besonderes. Auf dieses Spiel habe
ich mich lange gefreut«, erklärte der Schutterwälder.
Kein Wunder, war auf der Tribüne doch die komplette
Verwandtschaft versammelt, in der Handballspielen (väterlicher
wie mütterlicherseits ) ganz offensichtlich Familien-Tradition
ist. Vater Karl-Heinz, seit einigen Jahren Jugendleiter des TuS
Schutterwald, stammt aus der Jugend des TuS Hofweier, Opa
Werner Herzog ist beim HGW Ehrenmitglied, Onkel Ekke Stocker
Jugendleiter bei den Handballern in Hofweier, und im Tor am
Samstag stand in Stephan Irslinger auch noch ein
Cousin
von Michael Herzog. Mama Bettina, die selbst Handball gespielt
hat, stellt gleichwohl augenzwinkernd fest: »Das Talent kommt
aus Schutterwald.« Opa Edmund Heuberger und Großonkel Kurt
Fautz waren feste Größen zur erfolgreichen Schutterwälder
Feldhandball-Zeit.
Es ist eine Diskussion, die zum Schmunzeln anregt und Michael
Herzog selbst gelassen nimmt. Für ihn war in jedem Fall schon
immer klar: »
Handball ist mein Ding.« Die Leichtathletik ließ er deshalb
buchstäblich links liegen, »weil mir das Mannschaftsspiel mehr
Spaß gemacht hat«. Pfeilschnell ist er aber immer noch, und
diese
Fähigkeit setzt er auf dem Spielfeld perfekt um. Beim
Gegenstoß ist der Mechatroniker bei den Progress Werken in
Oberkirch, der nun ein Studium anstrebt, oft nur durch ein Foul
des Gegenspielers zu stoppen.
»Für einen 20-Jährigen ist der ganz schön abgezockt«, findet
Teamkollege Felix Heuberger, der nur ein Jahr älter ist,
anerkennend. Der TuS-Torwart ist indes ganz froh, dass er
»Herzi« in der eigenen Mannschaft hat. »Ob kurz, lang oder
Heber. Er hat alle Wurfvarianten drauf«, lobt Heuberger.
Das Talent ist das eine, das Training das andere. Michael
Herzog kein Wortführer, aber dennoch einer, dessen Wort in der
Mannschaft Gewicht hat, will seine Person auch gar nicht zu
sehr ins Rampenlicht stellen. »Ich habe viele Siebenmeter
geschossen. Und wir haben viele Spielzüge für Rechts- und
Linksaußen gemacht«, sieht er in erster Linie die taktische
Ausrichtung beim TuS Schutterwald für seine enorme
Wurf-Ausbeute verantwortlich. Zudem hat er bereits in jungen
Jahren wichtige Erfahrungen sammeln dürfen. »Der Unterschied
von der Oberliga Baden-Württemberg zur Südbadenliga ist
gewaltig. Davon habe ich nach unserem Abstieg
profitiert.«
Dass Michael Herzog und seine Mannschaftskollegen irgendwann
auch wieder in die Oberliga streben, ist klar. »Mein
persönliches Ziel ist nächstes Jahr Platz eins bis zwei«, sagt
er selbstbewusst, stellt aber auch klar: »Die Favoritenrolle
wie sie in dieser Saison Willstätt hatte, nehmen wir sicher
nicht ein. «
Glatt gelaufen ist die junge Karriere des gebürtigen Schutterwälders nicht immer. Nach einer Bänderverletzung gab es 2006 im Kernspin einen schockierenden Nebenbefund: Eine Knochenzyste im Sprunggelenk wurde entdeckt. Der Knochen musste regelrecht aufgefräst werden.
Fast ein Jahr lang musste Herzog mit dem Handball
aussetzen und leiden. Zu den körperlichen Schmerzen kamen die
seelischen, weil er ausgerechnet dann nicht auf dem
Parkett stehen konnte, als seine Mannschaft deutscher
B-Jugendmeister geworden ist. »Als Spielführer nur auf der
Tribüne sitzen zu können, war ganz bitter. « Doch jetzt
ist er wieder obenauf. Am Samstag holte er sich die
Torjäger-Krone und bekam vor der Partie in Hofweier ein kleines
Präsent überreicht.
Apropos. Es mag Zufall gewesen sein, dass sich seine Eltern
einst für die Heimat der Mutter als Wohnort entschieden haben,
für Michael Herzog, dessen zwei Jahre jüngerer Bruder Florian
nicht weniger talentiert ist, war Schutterwald in jedem Fall
»ein Glücksfall«, wie er meint: »Ich glaube nämlich nicht, dass
ich in Hofweier so weit gekommen wäre.«
Und da ist es wieder, das freche Grinsen im Gesicht des
20-Jährigen, der eine tolle Saison mit einem Erfolg
ausgerechnet beim innig geliebten Erzrivalen krönen
durfte.
Die Torjäger der Südbadenliga
1. Michael Herzog (Schutterwald) 232/89
2. Alexander Stehle (Steißlingen)215/76
3. Vitaya Boutsavath (Willstätt) 202/57
4. Markus Schönmüller
(Weil) 178/53
5. Mathias Riedel (HSG Freiburg) 175/29
6. Stefan Bruderhofer (Mimmenh.) 171/13
7. Stéphane Robin
(Oberkirch) 167/22
8. Gabor Soos
(Singen) 157/29
9. Johannes Braun (Mimmenhausen) 157/30
10. Nico Vollmer
(Hofweier) 156/62


